Ein gutes Bauchgefühl
Ernährung nach der TCM

Seit einiger Zeit mache ich die Ausbildung zur Ernährungsberaterin nach der Chinesischen Ernährungslehre (Traditionelle Chinesische Medizin/TCM), da ich diese Ernährungsweise für besonders stimmig halte und selbst erlebt habe, wie viel sich im Leben durch eine simple Ernährungsumstellung verändern kann. Dabei geht es immer um ein wohliges Bauchgefühl und nie um starres Kalorienzählen oder Nährwerttabellen. Die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle zur Erhaltung unserer Gesundheit und wir können uns durch hochwertige Lebensmittel bestmöglich stärken. Ich möchte euch heute die Grundzüge der Chinesischen Ernährungslehre näher bringen.

 

Einteilung von Lebensmitteln

In der Chinesischen Ernährungslehre geht es vor allem darum, Lebensmittel in ihrer Gesamtheit zu erfassen und nicht darum, diese lediglich auf einzelne Bestandteile (wie etwa Vitamine) zu reduzieren. Die Lösung vieler gesundheitlicher Probleme liegt in einer gesunden, unserer Konstitution entsprechenden Ernährung. (vgl. Temelie 2008: 14f.) Lebensmittel werden nach Geschmack, Thermik, Wirkung und Farbe den Fünf Elementen Erde, Holz, Feuer, Wasser und Metall zugeteilt.

Die Fünf Elemente können auf vielfältige Weise miteinander interagieren. Wenn ein gesundes Gleichgewicht herrscht, dann wird jedes Element von einem anderen erzeugt und bringt ein weiteres hervor. Hier sprechen wir vom sogenannten Fütterungszyklus: „Holz nährt Feuer, die Wärme des Feuers erweckt die Erde zum Leben, aus der Erde wird Metall gewonnen, die Mineralien des Metalls machen das Wasser lebendig, Wasser nährt die Pflanzen (Holz).“ (ebd. 2008: 95; Hervorhebungen im Original; vgl. auch Maciocia 2017: 24)

 

Thermische Ausgewogenheit

Die thermische Wirkung basiert auf „Ausprobieren, Beobachtung und Instinkt.“ (Weidinger 2014: 188) Die sogenannte thermische Wirkung hat jeweils „spezielle Auswirkungen auf die Energien unseres Körpers.“ (Kafka 2016: 158)

Unterschieden werden folgende Temperaturen: heiß, warm, neutral, erfrischend (kühl), kalt. Wir ernähren uns thermisch idealerweise immer so, dass wir unsere inneren Zustände ausgleichen bzw. in Harmonie bringen. Wenn wir also, vereinfacht gesprochen, viel Hitze in uns tragen, dann werden wir versuchen diese durch kühlende Nahrungsmittel auszugleichen. Natürlich müssen wir in der Praxis noch tiefer gehen und nach den Ursachen forschen. Dieses Beispiel dient lediglich dem besseren Verständnis.

 

Heiße Nahrungsmittel sind zum Beispiel Alkohol, Pfeffer, Muskatnuss und Chili. Im Winter bieten diese Nahrungsmittel einen Ausgleich zur winterlichen Kälte. Heiße Nahrungsmittel sollten aber generell – auch im Winter – nur in Maßen konsumiert werden. Vor allem bei bestehender Hitze-Konstellation ist vom übermäßigen Einsatz dieser Nahrungsmittel abzuraten. Durch heiße Thermik können Entzündungen und vorhandene Hitze weiter angefacht werden. Die Säfte werden ausgetrocknet und auf längere Sicht wird unser YIN geschädigt.

 

Warme Nahrungsmittel sind zum Beispiel Gewürze wie Rosmarin, Basilikum und Thymian, Lauch, Zwiebel, Knoblauch oder auch Huhn. Diese Nahrungsmittel fügen dem Körper Wärme zu und sind in Maßen genossen sehr kostbar. Ein Zuviel an wärmenden Nahrungsmitteln jedoch kann zu Problemen führen – so etwa zu Anspannung, Gereiztheit oder Unruhe.

 

Neutrale Nahrungsmittel sind zum Beispiel die meisten Getreidearten, Hülsenfrüchte, Kohlsorten oder auch Rindfleisch. Solche Nahrungsmittel sind thermisch weder kühl noch warm, weder heiß noch kalt und haben meist einen süßen Geschmack. Der süße Geschmack wiederum baut Qi und Mitte auf. „Ihre ausgleichende Thermik kann den Körper in kein Ungleichgewicht bringen. Der größte Teil unserer Nahrung sollte daher aus dieser Kategorie kommen.“ (Kafka 2016: 158)

 

Erfrischende (kühle) Nahrungsmittel sind zum Beispiel Salate, die meisten Gemüse- und Obstsorten (ungekocht) und Soja. Die erfrischenden Nahrungsmittel regen die Bildung von Blut und Säften an, klären Hitze und wirken beruhigend auf Herz und Leber. Im Sommer sind kühle Nahrungsmittel ein guter Ausgleich zu den heißen Außentemperaturen. „Gekocht sind erfrischende Nahrungsmittel ideal, um ab Ende 30 das Blut und das Yin zu schützen! Sie behalten dann ihre blutaufbauende Wirkung, ohne zu kühl zu sein.“ (ebd. 2016: 159)

 

Kalte Nahrungsmittel sind zum Beispiel Südfrüchte wie Bananen, Kiwis oder Ananas sowie Salz, Algen, Wasser und Mineralwasser. „Sie schützen vor Hitze und dringen schneller und tiefer als kühlende Nahrungsmittel in den Körper ein. Auf Grund ihrer stark abkühlenden Wirkung können sie Hitze absenken. Doch sollten sie, wie auch die heißen Nahrungsmittel, nur sparsam und gezielt verwendet werden, da sie im Übermaß verwendet das Qi und das Yang schwächen.“ (ebd. 2016: 159)

 

Über die thermische Wirkung einer Speise entscheiden auch die Art und Weise der Zubereitung sowie die jeweils beigefügten Zutaten (zum Beispiel die verwendeten Gewürze):

 

  • NEUTRAL: Dünsten in wenig Wasser
  • ERWÄRMEND (Yang-Wirkung): Überbacken, langes Kochen (zum Beispiel Suppen)
  • ERHITZEND: scharfes Anbraten, Grillen, Zugabe diverser Gewürze, Zugabe von Alkohol
  • KÜHLEND: Kochen in reichlich Wasser, Kochen mit Südfrüchten (vgl. ebd. 2016: 160)

 

Geschmacksrichtungen

„Eine weitere zielgerichtete Auswahl von Nahrungsmitteln ist über die verschiedenen Geschmacksrichtungen möglich. Die fünf Geschmäcker stehen in einem direkten Bezug zu bestimmten inneren Organen. Süß reist zur Milz, Scharf zur Lunge, Salzig zur Niere, Sauer zur Leber und Bitter zum Herzen. Keine Geschmacksrichtung sollte überbetont werden, abgesehen von der süßen Kategorie: Sie wirkt ausgleichend und darf zum Energieaufbau den größten Teil der täglichen Nahrung ausmachen.“ (ebd. 2016: 160)

 

Der süße Geschmack wirkt befeuchtend, harmonisierend und energiespendend. Der scharfe Geschmack wirkt mobilisierend und zirkuliert Qi und Blut. Dieser Geschmack vermag Stagnationen aufzulösen, ist aber dennoch nur mit Vorsicht zu genießen, weil Schärfe die Säfte verletzen kann. Der salzige Geschmack wirkt erweichend und senkt die Energien in den unteren Teil des Körpers ab. Diesen Geschmack können wir zur Auflösung von Verhärtungen und Knoten einsetzen. Der saure Geschmack wirkt zusammenziehend (adstringierend) und bewahrt die Säfte. Dieser Geschmack wird vor allem verwendet, um die Körperflüssigkeiten zu schützen, so etwa bei Durchfällen, äußerer Hitze oder bei Schweißausbrüchen wie beispielsweise in den Wechseljahren. Der bittere Geschmack wirkt trocknend auf die Säfte sowie entzündungshemmend, ausleitend und senkt nach unten ab. (vgl. ebd. 2016: 160f.)

 

Ernährung für ein wohliges Bauchgefühl

Ein wesentlicher Punkt unseres alltäglichen Lebens ist die Nahrungsaufnahme. Wir alle essen und tun dies in der Regel auch mehrfach täglich. Wir können uns mehrfach am Tag stärken und zwar indem wir richtig essen! (vgl. Weidinger 2014: 132) Richtig zu essen bedeutet nach der Chinesischen Ernährungslehre für jeden etwas anderes. Der Zugang ist ein ganz individueller: Was für den einen bekömmlich ist, wird vom anderen nicht vertragen.

 

Nahrung zur Erhaltung unserer Gesundheit

In jedem Fall sollten wir uns wieder bewusst machen, dass die Nahrung dazu dient unsere Gesundheit zu erhalten! Im Einklang mit der Natur zu leben bedeutet auch sich im Einklang mit dieser zu ernähren, also das zu essen, „was die Natur zu dieser Zeit, in dieser Jahreszeit hervorbringt, und das zu essen, was unserer inneren Natur entspricht.“ (ebd. 2014: 52) Unsere Nahrung sollte immer aus frischen Zutaten aus biologischem Anbau stammen und möglichst saisonal und regional sein.

 

Instinktiv richtig oder intuitiv falsch essen

Wenn wir gut in unserer Mitte sind, dann spüren wir intuitiv, was wir vertragen und greifen automatisch zu den Nahrungsmitteln, die uns bekommen. Wenn das nicht der Fall ist, dann müssen wir erst wieder einen Weg finden, um auf unsere Instinkte zu hören. Wenn wir nicht in unserer Mitte sind, dann ernähren wir uns „INTUITIV FALSCH“, weil es „für den Körper viel anstrengender ist, etwas zu verändern, als einfach nur so weiterzumachen, wie man es bisher gemacht hat, auch wenn der Preis eine Erkrankung ist.“ (Weidinger 2014: 169; Hervorhebungen im Original) Veränderung kostet Energie und davon haben wir ohnehin oftmals wenig. Dennoch sollten wir der Veränderung eine Chance geben und einen Schritt nach dem anderen gehen.

 

Ausgewogenes Essen, Freude und ein wohliges Gefühl

Unser Essen bereiten wir so zu, dass es thermisch ausgewogen ist, möglichst alle Elemente beinhaltet und gut verdaut werden kann. Die Freude beim Essen ist für eine gute Verdauung essentiell!

Nach einem Essen sollten wir uns herrlich fühlen, also voller Energie, leicht, unbeschwert, wohlig. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist das ein Indiz dafür, dass wir das Essen nicht gut vertragen haben. Hier sollten wir ehrlich zu uns selbst sein und auf alles verzichten, das nicht ein wohliges Gefühl in uns erzeugt!

 

Gutes Essen, wenn wir wenig Zeit haben

Ausgewogen ernähren können wir uns übrigens auch dann, wenn wir wenig Zeit haben.

In diesem Fall können wir zum Beispiel Suppen, Getreidebrei oder Congee zubereiten. Diese Gerichte kochen sich praktisch von selbst, sind bekömmlich und wir können einige Tage davon essen.

 

Verzicht auf Mikrowelle, Tiefkühlkost und Fertignahrung

Auf Zubereitungen in der Mikrowelle, Tiefkühlkost und Fertignahrung sollten wir generell verzichten! Auch raffinierter Zucker, Milchschokolade und Süßigkeiten sollten nicht auf unserem Speiseplan stehen. Hier gibt es bekömmlichere Varianten (z.B. Kompott oder selbstgemachte Schokolade aus Kakaobutter). Ein Rezept für Schokolade gibt es hier (klick).

 

Verlässliche Essenzeiten und warme Getränke

Eine Regelmäßigkeit ist auch beim Essen von großer Bedeutung – sowohl aus chinesischer Perspektive als auch aus westlicher. Die Milz steht nach chinesischer Auffassung für unseren gesamten Verdauungsapparat. Sie ist unser Zentrum und schaut, dass es allen Organen im Körper gut geht. „Die Milz macht aus Nahrung und Atmung Qi und Blut.“ (ebd. 2014: 88) Regelmäßigkeit ist für die Milz wichtig. Wenn wir unser Essen immer zu einer anderen Uhrzeit einnehmen, dann kommt die Milz durcheinander und kann nicht vorplanen.

 

Idealerweise essen wir nur dreimal am Tag, trinken dazwischen heißes Wasser und gönnen unserer Milz Pausen, damit sie alle anderen Aufgaben auch gut bewältigen kann. Wir sollten grundsätzlich auch warm trinken. Wenn wir vor dem Essen kalt trinken, kühlen wir den Magen ab und „unsere Milz […] muss erst mühsam wieder aufwärmen, bis der ganze Speisebrei im Magen und Dünndarm Körpertemperatur hat.“ (ebd. 2014: 172) Warm trinken gleicht gewissermaßen einer „Streicheleinheit“ für unsere Milz. (ebd. 2014: 173)

 

Wir wissen mittlerweile, dass auch unsere (Darm-)Bakterien ihren Rhythmus haben und ihr Essen pünktlich und regelmäßig erwarten. „Wenn diese nicht zur richtigen Zeit gefüttert werden, erzeugen sie Stoffe, die ins menschliche Blut übertreten und dann äußerst unangenehme Gefühle auslösen. Was wir als Begleiterscheinungen des Jetlags erleben, stammt also auch vom chemischen Protest der Bakterien unseres Darms.“ (Moser 2017: 40)

Das Licht und die Zeitpunkte der Mahlzeiten gelten nach der Chronobiologie als „die wichtigsten Zeitgeber“, mit denen wir einen „wirksamen Hebel“ haben, den wir selbst aktiv einsetzen können und „mit dessen Hilfe wir Gesundheit und Wohlbefinden steuern können“. (ebd. 2017: 78)

 

TCM, day by day

Die Ernährung nach der TCM lässt sich ganz simpel in unseren Alltag integrieren. Bald gibt es einige Blogbeiträge mit feinen Rezeptideen für euch!

 

Literatur

Maciocia, Giovanni (2017): Grundlagen der Chinesischen Medizin. München: Elsevier.

Moser, Maximilian (2017): Vom richtigen Umgang mit der Zeit. Die heilende Kraft der Chronobiologie. Berlin: Allegria.

Weidinger, Georg (2014): Die Heilung der Mitte. Die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin. Steyr: Ennsthaler.

Temelie, Barbara (2008): Ernährung nach den Fünf Elementen. Wie Sie mit Freude und Genuß Ihre Gesundheit, Liebes- und Lebenskraft stärken. Oy-Mittelberg: Joy.